lesung_2014-04-01
Buchvorstellung im Jagdhofkeller

Darmstadt, 01. April 2014

Geschichten vom lieben Gott

Musette-Walzer zur Entspannung

Der Himmel hängt voller Geigen. Der liebe Gott greift aber lieber zum Akkordeon und spielt Musette-Walzer, meistens gegen 21 Uhr 30, und entspannt sich dabei. So oder so ähnlich könnte der Alltag des Allmächtigen aussehen | Fotos und Text: Peter W. Bernecker

 

WHW liest Band spielt blues Chucks Tango WHW signiert


In Wolfgang H. Weinrichs Geschichten lernen wir einen Gott kennen, der ganz und gar menschlich ist. Mal lacht er, mal ist er melancholisch, mal will er sich zurückziehen. Aber da machen die Menschen dem lieben Gott schon wieder einen Strich durch die Rechnung. Stoßgebete und Fürbitten können nicht sofort bearbeitet werden. Zwar erledigen sich die meisten Probleme dann von selbst, aber schon ertönt das menschliche Lamento: "Woran sollen wir denn noch glauben, wenn noch nicht mal der liebe Gott zu erreichen ist?".

Wo steckt er denn?

Also ist der liebe Gott dann wieder überall unterwegs, am Kiosk, an der Börse (wo man ihn mangels Ausweis erst nicht reinlassen will), gelegentlich steckt er auch im Stau. Dann heißt es: "Der liebe Gott kommt nicht voran". So der Buchtitel, der heitere und zugleich nachdenkliche Kurzgeschichten vom Allmächtigen versammelt. Autor Wolfgang Weinrich kennt seinen Titelhelden ganz gut und weiß zu berichten, dass der liebe Gott auch dem Stau seine guten Seiten abzugewinnen vermag: "Das ist geschenkte Zeit". Ideen entstehen, Chancen für Neuanfänge.
Das Rahmenprogramm zur Buchvorstellung im Darmstädter Jagdhofkeller am 1. April gestaltete ein Trio von Blues-Musikern: Helle Baum (Saxofon/Akkordeon), Tilmann Höhn (Gitarre) und Jose Rodriguez (Klavier). Sie spielen amerikanischen Blues und französische Musette-Walzer. Vermutlich ganz nach dem Geschmack vom lieben Gott. Ganz sicher treffen sie den Geschmack der Zuhörer. Wie schön, dass Gott uns Menschen so ähnlich ist und nicht nur Bach-Kantaten liebt. Passion ist das entscheidende Kriterium: Daher gehört der Tango zu Gottes Lieblingstänzen, mehr Sinnlichkeit geht nicht. Einmal die Woche raucht der liebe Gott eine dicke Zigarre. Allen Warnungen zum Trotz. Es sollen die Menschen doch nicht nur vor dem Tabakgenuss warnen, sondern konsequenterweise auch auf Panzern Aufkleber anbringen: "Krieg tötet!".

Ursuppe als Kostprobe

Eine Bouillabaisse für die Gäste gab's am Abend auch. Nicht nur, weil der liebe Gott eben ein Genießer ist. Es gibt auch eine theologische Erklärung: Die Fischsuppe erinnert den lieben Gott an den Anfang. An den Anfang des Lebens, das aus dem Wasser heraus entstanden ist. Die Ursuppe war also eine Bouillabaisse. Nicht Jedermanns Sache, geschmackstechnisch, aber wer sich an das Rezept hält (im Buch auf Seite 96) kann dem Schöpfer nacheifern und eine leckere Ursuppe köcheln.

Der liebe Gott sucht sich eine Agentur

Ob der liebe Gott nun noch eine Imagekampagne braucht? Professionell geplant mit Zielgruppenanalyse, Kampagnenbotschaft, Guerilla- und Crowdsourcing-Maßnahmen? Wolfgang Weinrich ist Kommunikationsbeauftragter der EKHN, also selbst vom Fach. Augenzwinkend läßt er seinen lieben Gott mit breitem Lächeln die entwickelte Kampagne kommentieren: "Da haben sich die Leute in der Agentur ganz schön angestrengt. (...) Sie sind dem recht nahe gekommen, was mir vorschwebt."
Was dem lieben Gott tatsächlich vorschwebt? Wer weiß? Eine Portion Milchreis vielleicht, mit Zimt ... aah, wie das duftet. Das erinnert an Weihnachten (Der liebe Gott und die süße Mahlzeit, Seite 100) und ist bestimmt angenehmer als kalter Zigarrenrauch!
Lieber Gott, wenn Du mal wieder unbedingt rauchen musst, dann blase den Rauch nicht in Richtung Erde. Ansonsten aber biste ein prima Kerl!


Der liebe Gott kommt nicht voran
Geschichten aus dem Alltag des Allmächtigen
ca. 128 Seiten | Gebunden | € 12,–
ISBN 978-3-451-61247-3
Erhältlich im Buchhandel
oder im LebensArt-Shop
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